Agilität ist keine Methode

Agilität ist keine Methode – Agil sein ist eine Haltung

Alle werden jetzt „Agil“. In IT – Entwicklungsabteilungen in guten Teilen schon angekommen (Scrum), in den meisten anderen Bereichen der Unternehmen leider zumeist noch gar nicht.

Aus irgendeinem Grund tut man sich damit sehr schwer „beweglich zu sein“, „Agil zu werden“. Eigentlich seltsam, denn dem Unternehmensziel, „Flexibilität in der Wertschöpfung – für maximierten Kundennutzen“, wird wohl jeder zustimmen: ja, das brauchen wir. Höhere Wertschöpfung durch optimierten Kundennutzen. Steht auf fast jedem seriösen Unternehmenswerte-richtlinienhaltungspapier.

Warum wird „Agilität in Unternehmen“ heute so gehypt? Ist es denn nichts Selbstverständliches?

Nein, ist es nicht. Im Gegenteil. 120 Jahre intensiv ausgeformter Taylorismus haben in die Unternehmens-DNA verankert, dass Wertschöpfung und Leistung von einer Managementkaste gedacht, die Umsetzung hin zu den Kunden durch die graue Masse der „People-on-the-ground“ lediglich umgesetzt werden muss. Mit dieser Haltung hat sich unsere ganze Gesellschaft ausgeformt. Das gilt für alle Systeme in denen wir uns bewegen, seien es soziale, politische, unternehmerische Systeme. Das haben uns unsere Eltern mit in die Wiege gelegt: „Mach dich passend, dann bekommst du eine Arbeitsstelle“. Eine Folge: jene Menschen, welche den häufigsten Kontakt zu Kunden haben, die Könner und Wissenden, werden am wenigsten wahrgenommen und gehört (Siehe hierzu: Schattenstruktur).

Nur: das funktioniert heute nicht mehr. Ganz gleich wie „passend“ wir uns ausbilden, wir müssen ständig damit rechnen vor veränderte Bedingungen und neue Lernaufgaben gestellt zu werden. Eben agil zu sein. Und was für den einzelnen Menschen gilt, gilt auch für Unternehmen. Die Wünsche der Kunden ändern sich nicht nur laufend, durch die weltweite Öffnung der digitalen Netze sind ein Masse flexibler Anbieter auf dem Markt erschienen, welche diese Wünsche befriedigen.

Wenn ich also ausschließlich schwarze Tin Lizzys herstelle (und mein ganzes Unternehmen darauf ausgerichtet ist, dieses Produkt absolut optimiert und kontrolliert zu erzeugen) und auf den Kundenwunsch nach einer roten Version mit glattem „Nein“ antworte, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde woanders kauft, so hoch wie nie zuvor.

Agilität ist systemimmanent

Agilität kann nicht in Teilen umgesetzt werden, man muss vielmehr die ganze Wertschöpfungskette unter die Lupe nehmen und auf Agilisierungspotential hin durchforsten. Dabei werden nahezu alle in der Unternehmens-DNA verankerten Abläufe in Frage gestellt. Kein Wunder also, dass sich hier viele so schwer tun.

Wer Ihnen (Unternehmens-) Agilität in XY Tagen verspricht, oder die „7 Punkte zur Agilität“ aufdrängt, hat bestenfalls erkannt, dass es nicht so leicht ist ein Unternehmen agil zu gestalten und hat aufgegeben. Man muss ja auch Leben.

Der Weg hin zu einer veränderten Haltung ist ein langer und kontinuierlicher, dessen muss sich jeder bewusst sein. Es gibt sehr gute Hilfsmittel hierfür. Aber keine pauschalen Methoden. Denn jedes Unternehmen ist eben auch völlig individuell. Wie Sie und ich.

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Die Anzeichen einer sich zunehmend schneller verändernden Arbeitswelt beschäftigt viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Es wird deutlich, dass unsere Strukturen und Werte dringend auf den Prüfstand müssen – Konzepte, welche vor 120 Jahren unter gänzlich anderen Marktbedingungen hervorragend wirkten, sind heute nicht mehr reaktionsfähig. Auch wenn der Begriff „agil“ in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, es bleibt die Frage wie Unternehmen mit den veränderten Anforderungen weiterhin wertschöpfend agieren können. Dabei beschäftigt sich „New Work“ nicht nur mit einer Vielzahl wesentlicher Ansätze und Gedanken, sondern auch mit konkreten Beispielen und Hilfestellungen.

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