Achtsamkeit. Was denn noch?

Achtung: Dieser Beitrag enthält ernste Anteile von spirituell-seelischen Elementen, weiterlesen auf eigene Gefahr.

Das Wort „Achtsamkeit“ lese und höre ich in den letzten Monaten mit stetig wachsender Frequenz – man möge Achtsamkeit in die Arbeitswelt einbringen um so das Miteinander positiv zu verändern.

Nun ist es wie mit vielen inflationär verwendeten Begriffen („agil“, „digital“, …), irgendwann verschwimmt die Deutungsblase und ich kann so recht nicht differenzieren, was denn  eigentlich gemeint ist.

Da lohnt sich ein wenig Besinnung auf die Ursprünge der Achtsamkeitsbewegung. Diese ist nämlich schon etwas älter, Schätzungen gehen mindestens 2.500 Jahren aus. Denn „Achtsamkeit“ ist als ein gemeinsames Verständnis von menschlicher Gemeinschaft beschrieben und hat somit in allen Weltreligionen einen festen Platz.

Steckt tief drin, in uns

Es geht also um das menschliche Miteinander, es geht um den Umgang mit mir und mit meinen Mitmenschen.
Achtsamkeit, also auf etwas (jemanden) achten, scheint zunächst eine bekannte und täglich geübte Praxis zu sein. Wenn ich im Auto unterwegs bin, „achte“ ich auf die anderen Verkehrsteilnehmer und wende zudem die Verkehrsregeln an. Ich „achte“ auf meine Umwelt, sehe Dinge, spüre Dinge, nehme Dinge wahr. Ich achte auf die Stimmung meines Partners, achte auf das, was im Meeting gesagt und beschlossen wird. Also bin ich schon achtsam, warum dieser Hype und das Ganze?

Der Trick liegt dabei zu hinterfragen, warum, auf was ich achte, und wie ich darauf reagiere. Warum achte ich auf den Straßenverkehr? Täte ich das nicht, könnte ich einen Unfall haben. Warum achte ich auf die Stimmungen jener, die um mich sich? Würde ich das nicht tun, könnte ich falsch reagieren und somit eine „auf den Deckel“ bekommen. Warum achte ich auf das, was an meinem Arbeitsplatz geschieht? Es könnte sein, das ich etwas nicht mitbekomme und dann einen Fehler mache, den ich ausbaden muss.

Es gibt eine Vielzahl täglicher Situationen von denen ich sagen kann: hier bin ich Achtsam, hier „passe ich auf“. Wenn ich mir diese vielen Situationen hinsichtlich des „Warum“ ansehe und mich um Offenheit und Ehrlichkeit bemühe, stelle ich allerdings meistens fest, dass diese Achtsamkeit aus reinem Selbstschutz und -nutzen geschieht. Es ist ja auch nachvollziehbar: Ich bin gerade da besonders aufmerksam, wo ich eine Gefahr für mich unterstelle oder einen Nutzen für mich erhoffe.

Warum, was, wie

Dies hat aber einen Haken: der Blickwinkel ist ausschließlich ego-zentrisch. Die Bewertung, ob ich achtsam reagiere und wie ich reagiere, hat ausschließlich das Ziel die Wirkung auf mich persönlich zu ermitteln und, falls als „ungut“ empfunden, abzuwenden oder zu mildern.

Diese Form der Achtsamkeit ist aber nicht gemeint (wenngleich sie stets notwendig bleibt). Es geht vielmehr darum zu erkennen, warum ich, und wie ich auf etwas reagiere und dieses Verhalten zu hinterfragen (und ggf. zu verändern). Das klingt sehr viel einfacher, als es tatsächlich ist. Denn „wie“ ich bin, hat mit meiner Erziehung und meinen (Lebens-) Erfahrungen zu tun, und, noch einen deutlichen Schritt weiter, mit den tiefen Ängsten in mir, die mich in meinem Verhalten prägen. Wie ich allerdings positiv auf einem Mitmenschen und die Umwelt durch meine Achtsamkeit einwirke, das hat eben nichts mehr mit dem ich-bezogenen Blickwinkel zu tun. Hier gilt es die Beweggründe für meine gelebte Haltung zu erkennen. Und eben nicht nur hinsichtlich der Wirkung auf meine Person, sondern insbesondere in der Wirkung nach außen.

Zu erkennen, warum ich auf was, wie, reagiere, ist aber eine überaus kniffelige Aufgabe und nichts, was ich mal eben in drei Wochenendkursen erlerne.

Es stellt sich somit gar nicht die Frage, wie Achtsamkeit im Berufsleben eingebracht werden kann. Es stellt sich die Aufgabe, wie ich zu mir und zu meiner Umwelt stehe, wie ich mir wünsche das man mit mir umgeht, und wie ich mit anderen umzugehen wünsche. Finde ich hier schrittweise Antworten für mich, dann werde ich achtsamer. Ganz gleich in welcher Situation ich mich befinde, ob Zuhause, beim Kegeln, oder am Arbeitsplatz.

Das kann man üben, tägliches Meditieren ist so ein Werkzeug. Wie lange? Nun ja… für immer?

Anhang

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Die Anzeichen einer sich zunehmend schneller verändernden Arbeitswelt beschäftigt viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Es wird deutlich, dass unsere Strukturen und Werte dringend auf den Prüfstand müssen – Konzepte, welche vor 120 Jahren unter gänzlich anderen Marktbedingungen hervorragend wirkten, sind heute nicht mehr reaktionsfähig. Auch wenn der Begriff „agil“ in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, es bleibt die Frage wie Unternehmen mit den veränderten Anforderungen weiterhin wertschöpfend agieren können. Dabei beschäftigt sich „New Work“ nicht nur mit einer Vielzahl wesentlicher Ansätze und Gedanken, sondern auch mit konkreten Beispielen und Hilfestellungen.

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