Drei Fragen

Ich erlebe oft, dass Arbeit Menschen sehr unzufrieden macht, und das die Höhe des Gehalts und diverse Privilegien jenes Maß beschreiben, in dem Menschen sich in Regeln und Rollen einzupassen haben.

Dieses Einpassen führt, mal mehr, mal weniger bewusst, zu einer Sinnentleerung (der Arbeit), welche als „Belohnung“ zu Ersatztätigkeiten wie Konsumverhalten führt, quasi als Ausgleich für das Unterordnen und Verleugnen intrinsischer Motivationen.

Konsum als Ersatz für Lebenssinn wirkt aber nur kurzfristig, treibt vielmehr zu einer Steigerung des Konsums in der Hoffnung, dass ein „Mehr“ besser wirkt. Aus der Sinnlosigkeit dieses Mechanismus entsteht eine innere Spannung die in Folge zu Unzufriedenheit, zu Aggression, Unglücklich sein, zu Krankheit führen kann.

Das hat Wirkung auf die persönliche Energie und Motivation, welche für Arbeit zur Verfügung steht. Sehr häufig beobachte ich, dass sich ein zynischer Opportunismus als beste Strategie etabliert, um jener Ent-Sinnlichung des eigenen Tuns entgegen zu treten. Damit verbreitet sich eine grundlegend negative Haltung gegenüber Kollegen, Kunden und dem eigenen Unternehmen: „Dienst nach Vorschrift“ als Widerstand.

Vater Staat – Mutter Erde

Der Glaube, dass Arbeit genau so richtig sei, wird in unserem Kulturkreis durch viele Systeme etabliert – das fängt im Kindergarten an und ist auf dem Weg zu einem Sinn-Nihilismus über die Schule und Studium gut beobachtbar. Auch die uns umgebenden Systeme, Verwaltungen, Kranken- und Rentenkassen, die politischen, gesetzgeberischen und finanztechnischen Strukturen, sie alle folgen einem Menschenbild, welches hin zu Entmündigung und massiver Reduktion von Eigeninitiative drängt. Wie in einem sich stetig verengenden Tunnel wird suggeriert, dass lediglich der Aufstieg in hierarchischen Pyramiden zu einer Verbesserung des Sinns führt – es zeigt sich, das dieses Verhalten letztlich zu einer noch strengeren Unterwerfung führt und damit eben nicht mehr, sondern weniger Sinnhaftigkeit stiftet.

Lebenslange Prägung führt dazu, das wir glauben Arbeit müsse so sein. Und akzeptieren, dass unsere eigenen Fähigkeiten und Motivationen nur im privaten Umfeld ausgedrückt werden können und dürfen. Die Folge ist, dass allzu häufig Arbeit ohne die persönlichen Fähigkeiten und Motivationen ausgeführt wird, das eine mechanistische Wiederholung von Tätigkeiten als zielführend, kreative Verbesserung jedoch als Störung angesehen wird.

(Ob es wohl eine gesellschaftstherapeutische Aussage hat, das wir uns Vater Staat unterwerfen, und Mutter Erde zerstören?)

Mehr vom Alten schafft nichts Neues

Im steten Best Practice – Trieb drückt sich der Wunsch nach Standardisierung aus, welcher potentielle Fehlerquellen finden und ausmerzen soll. Wobei die häufigste Fehlerquelle der Mensch mit seiner Sinnsuche und Kreativität ist.

Hier leitete sich der ständige Drang nach Standardisierung ab: Was standardisiert werden kann, wird standardisiert (auch wenn es vielleicht noch etwas dauert bis die Technik dafür geschaffen wurde – die „Entkomplexierung“ wird stetig vorangetrieben). Das reduktionistische Menschenbild hat damit implizit den technologischen Fortschritt befeuert – wenn Menschen Arbeit mehr stören als befördern, richtet sich der Blick das Kapitals auf Automatisierung – und damit eine wirksame Standardisierungsindustrie hervorgebracht die das Credo des eigenen Vorteils singt.

Dass Arbeit Menschenheitsgeschichtlich vor erst relativ kurzer Zeit diese Wertigkeit bekommen hat lässt den Blick auf jenen Strukturen richten, welche innere Form Arbeit davor erfüllte. Es gilt daher, Arbeit in seiner gelebten Definition zu hinterfragen, und nicht am bestehenden Weltbild zu operieren. Letzteres führt zu mehr oder weniger skurrilen Auswüchsen welche am Ziel vorbeigehen, jedoch nicht zu tragfähigen Konzepten.

Konsum als Antwort auf Sinnentleertheit

Das Muster wäre: Ich muss arbeiten – Arbeit stiftet keinen Sinn und macht keine Freude – ich bin müde von der Verausgabung – ich suche schnelle Ablenkung und Entspannung in Konsum (Kauf / TV / etc) – dieses ist ebenfalls nicht Sinnstiftend – ich bin weiter unzufrieden – da ich die Arbeit nicht ändern kann, verstärke ich den Konsum.

Hier stehen diese Strategien zur Wahl um seelisch gesund zu bleiben:

– Ich widme mich im Privaten sinnstiftender Tätigkeiten und akzeptiere, dass Arbeit notwendig, aber nicht sinnvoll sein muss.

– Ich versuche meine Arbeit zu verändern, entweder dort, wo ich gerade arbeite, oder suche eine neue Stelle, die mehr Sinn verspricht.

– Ich lerne was für mich sinnstiftend ist und versuche, dieses als Haltung zu formulieren. In der Folge versuche ich, diese Haltung zu leben, ganz gleich in welchem Kontext. Es gibt keinen Unterscheidung zwischen Privatem und Arbeit – tatsächliches Work-Life-Blending.

Arbeit kann Sinn stiften, Freude machen, Ausdruck der Fähigkeiten und Motivationen des Menschen sein. Entferne ich den Menschen von seinen Möglichkeiten, zwinge ihn dazu in Regeln und Rollen zu agieren, entsteht eine Unbalance in dessen Leben, die einen Ausgang benötigt.

Drei Fragen die vorwärts bringen

Um sich aus dem bestehenden Kreislauf zu befreien schlage ich die persönliche Beantwortung dieser drei Fragen vor:

1 – Was treibt mich an (um zu Arbeiten)
Was sind wirklich meine Fähigkeiten, wo liegen meine echten Stärken, wo meine Begeisterung. Wofür werde ich die Zeit vergessen um es zu tun? Wie kann ich das in einer (bezahlten) Arbeit (so weit als möglich) umsetzen?

2 – Was macht mich Stolz (durch meine Arbeit)
Auch wenn Stolz im christlichen als Todsünde verdonnert wird – ich meine damit schlicht ein stärkeres Gefühl als „Zufriedenheit“. Was, so die Frage, lässt mich nach getaner Arbeit eine große Zufriedenheit empfinden. Wenn ich etwas im Einklang zu meinen Wünschen und Fähigkeiten gut ausführe, dann kann ich Stolz auf das Geschaffte sein.

3 – Wie sehr sind die ersten beiden Punkte im Einklang mit meinem ganzen Leben
Die beiden ersten Fragen können nur dann wirklich beantwortet sein, wenn sich alles was ich tue auch im Privaten so wiederfindet. Wenn ich mit einer Haltung und Überzeugung auftreten kann.

So lange die Antwort auf diese Fragen immer mit „mehr Geld“, „mehr Privilegien“, „mehr Konsum“ beantwortet werden, sollte man sehr vorsichtig werden. Die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen zeigen vor allem eines: nichts ist mehr verlässlich, was die Arbeitswelt angeht.

Eine wirkliche Antwort kann nur eine tief überzeugte Haltung sein.

Anhang

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www.wandelwerk.org

Mein Ziel: Unternehmen zu mehr Wertschöpfung zu bringen und dabei Menschen zu sinnhafter und nachhaltiger Arbeit verhelfen.

Die Anzeichen einer sich zunehmend schneller verändernden Arbeitswelt beschäftigt viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Es wird deutlich, dass unsere Strukturen und Werte dringend auf den Prüfstand müssen – Konzepte, welche vor 120 Jahren unter gänzlich anderen Marktbedingungen hervorragend wirkten, sind heute nicht mehr reaktionsfähig. Auch wenn der Begriff „agil“ in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, es bleibt die Frage wie Unternehmen mit den veränderten Anforderungen weiterhin wertschöpfend agieren können. Dabei beschäftigt sich „New Work“ nicht nur mit einer Vielzahl wesentlicher Ansätze und Gedanken, sondern auch mit konkreten Beispielen und Hilfestellungen.

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