Vom Privileg, über „NewWork“ reden zu können

NewWork, Neue Wirtschaft, Industrie 4.0, Agiles Arbeiten…diese Begriffe haben aktuell, zumindest in meiner Filterblase, schon einen inflationären Habitus. Je weiter diese Themen in den Mainstream vordringen, desto mehr Kongresse, Trainings und Fachangebote entstehen, desto mehr Publikationen erscheinen.

Das ist auch gut so – denn ohne Zweifel sind die Fragen, welche in diesen Begriffen subsummiert werden, überaus relevant für zukünftige Arbeitsmodelle. Modelle, welche Antworten auf das sich rasant wandelnde Wirtschafts- und Umweltsumfeld liefern sollen. Dass dabei im Schwerpunkt der Mensch, mit seinen einzigartigen Fähigkeiten (im Abgleich zur KI-Angst) gesehen wird – umso besser. Nach 120 Jahren etabliertem Taylorsimus darf heute der Mensch zu seinem kreativen und innovativem Wesen kommen.

Besonders interessant sind Gespräche mit Menschen, die mit NewWork – Themen noch keinerlei Berührung hatten. Die Reaktionen auf meine Beschreibung, worum es sich drehe, reichen von Ungläubigkeit bis hin zu Ablehnung. Natürlich gibt mir diese Reaktion durchaus Denkstoff und nach einem sehr eindrücklichen Austausch ist mir bewusst geworden, das wir mit der Freiheit und Chance, diese Themen in unseren Lebensfokus zu bringen, außerordentlich privilegiert sind.

Privilegiert

Über vielen Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte hat das Gros der Menschen Arbeit als Notwendigkeit für das schlichte Überleben erlebt. Die Voraussetzungen für Arbeitende waren denkbar schlecht und die Rahmenbedingungen für eine individuelle Weiterentwicklung geradezu fatal ungünstig. Bildung, und in Folge die Chance auf (Selbst-) Reflektion, war einer kleinen Minderheit vorbehalten.

Das hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv geändert – allerdings wieder sehr ungleich verteilt. In den industriell gut entwickelten Ländern stehen die Chancen gut, dass Raum für Selbstreflektion geschaffen wird. Wir können darüber nachdenken, wie wir Arbeit so umformen, das sie sinnhaft und wertschöpfend zugleich ist. Wir können Arbeitsformen diskutieren, welche Kreativität und persönliche Entwicklung fördern, um so nachhaltiger und gezielter Produkte zu erzeugen und auf den Markt zu bringen.

Arbeit darf sich wandeln

Das Bild des 14 – Stunden an einem stupiden Fließband ackernden Menschen sehen wir in Deutschland nur noch in Geschichtsbüchern, für uns sind das Welten, die wir hinter uns lassen konnten. Tatsächlich wissen wir aber auch, das dies nur für die reichen Länder gilt – besagte Arbeiter existieren sehr wohl auf der Welt, und nicht zu wenige, sogar Kinder.

Dabei möchte ich gar nicht verurteilen, was uns gegeben ist: Vielmehr möchte ich die Chance hervorheben, die uns damit zufällt.

Die große Chance

Wir sind an einem Punkt unserer Wirtschaftsentwicklungangekommen, an dem wir sinnentleerte Arbeit umfassend an Maschinen abgeben können und uns Menschen als kreative, phantasiebegabte wie innovative Wesen jene Räume zu geben, um große Sprünge in unserer Entwicklung ermöglichen.

Das ist ein großes Privileg. Dieses Privileg trägt auch eine Verpflichtung in sich, nämlich als positives Vorbild und Gebender für jene Länder und Menschen zu dienen, welche noch nicht diesen Punkt erreicht haben.

Wenn wir mit diesen Möglichkeiten lediglich unsere persönlichen Bedürfnisse befriedigen und niemandem an den Potentialen teilhaben lassen wollen, dann sollten wir darüber nachdenken, ob wir diese wunderbaren Chancen richtig umsetzen.

Die Welt ist seit langem schon zu klein geworden, als das wir lediglich für uns denken und agieren könnten. Der Keim eines neuen Denkens ist längst gepflanzt und gedeiht, eben auch in der NewWork – Bewegung. Ich freue mich auf das, was kommt. Mit allen Menschen.

Anhang

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www.wandelwerk.org

Die Anzeichen einer sich zunehmend schneller verändernden Arbeitswelt beschäftigt viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Es wird deutlich, dass unsere Strukturen und Werte dringend auf den Prüfstand müssen – Konzepte, welche vor 120 Jahren unter gänzlich anderen Marktbedingungen hervorragend wirkten, sind heute nicht mehr reaktionsfähig. Auch wenn der Begriff „agil“ in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, es bleibt die Frage wie Unternehmen mit den veränderten Anforderungen weiterhin wertschöpfend agieren können. Dabei beschäftigt sich „New Work“ nicht nur mit einer Vielzahl wesentlicher Ansätze und Gedanken, sondern auch mit konkreten Beispielen und Hilfestellungen.

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