Maßanzug? Ist natürlich Spitze!

 

Ist ihr Anzug auf Maß, oder…naja, von der Stange? Da klingt schon viel Bewertung mit. Maßanzug ist das Beste, von der Stange hat halt jeder. Dieses Bild ist schon so oft verwendet werden, dass ich zunächst zurückgeschreckt bin, als es mir beim Morgenmarsch in den Sinn kam.

Was für Bedingungen müssen erfüllt sein, dass ich einen Maßanzug trage, habe ich dann überlegt. Mein erster Gedanke war: Geld. Ich muss mir den Schneider leisten können.

Beim weiteren Nachsinnen kam mir dann eine wesentlich wichtigere Voraussetzung: ich muss erst einmal wissen, was ich tragen möchte. Mir ist das (bei Vorstellungssprächen) manchmal ins Auge gesprungen: wenn der Bewerber die Kleidung, die eigene Darstellung nach außen, nicht wirklich authentisch vermitteln kann, wirkt er/sie wie  verkleidet. Und „verkleideten“ Menschen traut man nicht so gern. Ich jedenfalls muss dann im Vorstellungsgespräch eine Hürde nehmen um mein Gegenüber, quasi an seiner Kleidung vorbei, einschätzen zu können.

Was ich tragen will

Die Beantwortung der Frage, was ich tragen will, erfordert ein gewisses Maß an Bewusstsein darüber, was Kleidung ist, was Kleidung und Auftreten für mich bedeuten. Sprich: was passt zu mir, ganz persönlich, und wie viel Wert lege ich darauf, dass dies zum sichtbaren Ausdruck von mir wird. Ich entwickle also einen Ausdruck, indem ich mich selber entwickele.

Als Ergebnis spürt jeder dass das, was ich trage, genau zu mir passt. Solche Menschen wirken meist klar und authentisch, und man hat den Eindruck, sie müssten auch in anderen Fragen so sein. Klarer Punkt für sie.

Dabei gilt natürlich, dass jeder Menschen sich verändert, seine Haltungen überdenkt und transformiert, seine Blickwinkel ändert und eben auch dann, in neuer Form, einen Ausdruck im Außen (sprich: in der Kleidung) zeigen.

Übersetze ich das auf Unternehmen, und speziell auf FirmengründerInnen, so kann ich dieses Bild auch anwenden. Das Unternehmen strahlt den Geist dieser Gründer aus und üblicherweise reden wir dann von der Firmenkultur.

Manche Fragen sind schlicht komplex

Veränderung ist normal, sie ist zudem nötig. Reaktionsmuster für Veränderungen sind genetisch in unserem Zellen verankert, das macht uns als Spezies aus: die Fähigkeit auf Veränderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln reagieren zu können.

Nun sind viele der anstehenden Veränderungen überaus komplex und dadurch auch beängstigend. In unseren Gehirnen gibt es verdrahtete Schwellwerte (vgl. G. Hüther: „Biologie der Angst“) bis zu welchen wir abwarten. Dann „kippt“ es und wir stellen uns der Veränderung.

Der größte Fehler den wir demnach machen können ist, über diese Schwelle hinauszugehen und weiterhin (mit stetig steigendem Energiebedarf) den alten Zustand bewahren. Wir erwidern die Veränderungsanforderung mit Abwehr und Kontrolle. Je komplexer und unklarer eine Veränderung wahrgenommen wird, desto schneller geraten wir in eine solche Abwehrhaltung.

Wenn eine Firma wächst, aus der Gründungsphase übergeht in eine Etablierungsphase, sind viele Gründer überfordert. Wenn bisher die Kleidung wunderbar gepasst hatte, fangen die verunsicherten Gründer an, Kleidung von der Stange zu suchen um sich der Komplexität der Frage (was ist richtig für mich?) nicht stellen zu müssen. Allzu schnell wird versucht, die Komplexität zu verdrängen indem man diese pauschal reduziert, sie in Bahnen zwingt.

Versteifung als Prinzip

Den Reflex kennen wir von Unternehmen: Kontrolle als Haltung gegenüber Veränderung. Das Ergebnis kennen wir auch: Versteifung als Prinzip. Die Firmenkultur der Kontrolle, aus Angst vor Veränderung, etabliert sich, das Kontrollprinzip wird wichtiger als die Fähigkeit sich.

Dies zeigt sich in einer überbordenden Flut an Kontrollmechanismen; Reporting, Prozesshandbücher, Regelwerken und Kontrolle stehen im Wert höher, als Kundenwünsche, Attraktivität als Arbeitgeber, positives Image am Markt (von Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und ähnliches ganz zu schweigen). Viele Mitarbeiter spüren dann: es passt nicht mehr. So, wie sich das Unternehmen „früher“ zeigte, ist es nicht mehr, man fühlt sich wie in einem Korsett. Der Anzug passt nicht mehr.

Wie ich arbeiten will

Verändert sich etwas im Unternehmenssystem, sei es innen oder von außen, stellt sich die Frage (wie bei der Kleidungswahl) was zu dem Unternehmen passt. Hier ist Persönlichkeit gefragt, und Haltung. Und wenn ich andere Menschen auf dem Veränderungsweg mitnehmen möchte: Ethik und Kultur. Das sind keine einfachen Aufgaben, hier muss immer wieder von neuem gerungen werden. Genau dieses stete mit sich Ringen aber macht den Kern eines dynamikrobusten Unternehmens aus. Wenn diese im Unternehmen zugelassen wird, dann entsteht kein steifes Konstrukt sondern ein dynamisches Wesen, welches Veränderungen annehmen, für sich prüfen, und eine authentische Antwort darauf finden kann.

So will ich arbeiten.

Anhang

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www.wandelwerk.org

Mein Ziel: Menschen zu sinnhafter und nachhaltiger Arbeit verhelfen.

Die Anzeichen einer sich zunehmend schneller verändernden Arbeitswelt beschäftigt viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Es wird deutlich, dass unsere Strukturen und Werte dringend auf den Prüfstand müssen – Konzepte, welche vor 120 Jahren unter gänzlich anderen Marktbedingungen hervorragend wirkten, sind heute nicht mehr reaktionsfähig. Auch wenn der Begriff „agil“ in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, es bleibt die Frage wie Unternehmen mit den veränderten Anforderungen weiterhin wertschöpfend agieren können. Dabei beschäftigt sich „New Work“ nicht nur mit einer Vielzahl wesentlicher Ansätze und Gedanken, sondern auch mit konkreten Beispielen und Hilfestellungen.

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