Die unsichtbare Wand

In dem im Jahre 2012 erschienenen Film „Die Wand“ (mit der wunderbaren Martina Gedeck in der Hauptrolle) stößt eine junge Frau aus der Stadt (nach einer Übernachtung in einer österreichischen Gebirgshütte als sie wieder hinabsteigen möchte) gegen eine unsichtbare Wand, die sie nach allen Seiten rund um die Hütte, umgibt. Im Verlauf des Filmes geht es darum, wie sie, begrenzt durch diese Wand, ihr Leben arrangiert.

Einer meiner Lieblingsfilme ist „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Andie Mac-Dowell und Bill Murray in den Hauptrollen. Der Protagonist, Phil Conners, als Wettermann eines amerikanischen Senders, wird als Journalist zum bekannten „Murmeltiertag“ in Punxsutawney geschickt um über die Wetterprognose eines Murmeltiers zu berichten. Phil, ein negativer und überaus egozentrischer Mensch, will die ungeliebte Aufgabe so schnell wie möglich durchziehen und wieder Heim. Durch einen Schneesturm wird er mit seiner Filmcrew gezwungen, eine ungewollte Nacht in Punxsutawney zu verbringen. Als er am nächsten Morgen erwacht muss er feststellen, dass sich der Vortag, wie in einer Zeitschleife, wiederholt. Er erlebt diesen Tag wieder und wieder, bis er letztlich doch am echten Folgetag erwacht.

Beide Filme haben im Kern das Thema, wie wir uns mit unseren persönlichen Überzeugungen und Lebenserfahrungen in einen Rahmen hineinbegeben. Und wie wir damit umgehen, wenn wir am Bekannten festhalten, auch wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

Der Rahmen ändert sich

In beiden Filmen ändern sich die äußeren Bedingungen um die Protagonisten vor die Aufgabe zu stellen, mit diesen Änderungen zurecht zu kommen – in beiden Fällen müssen sich diese Menschen vor allem mit sich und dem, was mit Ihnen in Folge der äußeren Änderung geschieht, auseinandersetzen. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass diese Herausforderungen an jeden von uns herangetragen werden und es ist eine philosophische (und psychologische) Fragestellung zu erwägen, warum wir immer wieder im Leben zu Anpassungsleistungen aufgefordert sind.

Fakt ist: Änderungen sind normal und gehören zum Leben. Fakt ist aber auch, dass jede Änderung, die wir als Menschen bewältigen sollen (müssen, dürfen), uns aus einer vermeintlichen Sicherheit herausholt, aus einer Ruhezone die wir nach der Bewältigung der vorherigen Aufgabe endlich erreicht zu haben glauben. Sprich: Änderungen bedrohen das eigene Sicherheitsbedürfnis.

Lieber in einem schlechten, aber etablierten Umfeld verharren, als sich zu einem potentiell besseren, aber unbekannten, hinbewegen

Die gute Nachricht: das ist überaus Menschlich, und überaus Normal. Wäre man ständig damit befasst sich äußeren Änderungen anzupassen, würden wir schnell an unsere Grenzen stoßen. Die Falle aber ist anzunehmen (und zu erwarten), dass man, einmal in einer Sicherheitszone angelangt, dort für immer verbleiben könnte. So nachvollziehbar der Wunsch manchmal scheinen mag, schwierig wird es dann, wenn die Verharrungskräfte sich gegen alle äußeren Anstöße wehren. Zum einen werden für dieses Verharren ebenso (Lebens-) Kräfte benötigt wie für die Auseinandersetzung mit einer Veränderung. Vor allem aber verhindert das Verharren Wachstum, welcher nur dann entstehen kann wenn man lernt und sich (am besten positiv) mit Veränderung auseinandersetzt.

Unternehmen entwickeln massives Verharrungspotential: man nennt diese Kraft gerne auch „Kultur“

Nun ist dies kein Plädoyer für das Annehmen jeglicher neuen Ideen und Anstöße, welche von außen auf mich, oder auf ein Unternehmen, eindringen. Eine gewisse Beharrungsträgheit ist sogar unbedingt notwendig, um nicht ohne Kurs von einer Anregung zur nächsten zu jagen. Leider haben sich gerade in unserer Arbeitswelt (und in den sozialen Systemen die uns umgeben) überaus starre Verhaltensmuster etabliert, welche unbestritten eine Zeit lang erfolgreich waren, nun aber zurecht infrage gestellt werden. Es geht also um Veränderung, und hier nicht um kleine, mit Wohlwollen abgenickte Feigenblattänderungen. Es geht um Grundsätzliches, es geht um Menschenbilder, es geht um Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit, es geht um Moral und Ethik. Das sind keine Petitessen mehr, es sind Basissysteme die hinterfragt werden und umso schwerer ist es, in diesem Themenkreis Änderung zu ermöglichen.

Das sind keine schlichten, und simplen Fragestellungen mehr. Doch der äußere Druck auf die beharrenden Systeme steigt. Immer mehr Menschen suchen Antworten auf diese Fragen und stellen sie lauter und lauter, eben, und vor allem, auch an die Arbeitgeber. Es ist sicher nicht viel länger sinnvoll sich abzuwenden, und zu hoffen, dass man in seiner Sicherheitszone verharren darf. Zeit tief einzuatmen, und sich, wieder, einer neuen Welt zu öffnen.

Anhang

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Die Anzeichen einer sich zunehmend schneller verändernden Arbeitswelt beschäftigt viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Es wird deutlich, dass unsere Strukturen und Werte dringend auf den Prüfstand müssen – Konzepte, welche vor 120 Jahren unter gänzlich anderen Marktbedingungen hervorragend wirkten, sind heute nicht mehr reaktionsfähig. Auch wenn der Begriff „agil“ in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, es bleibt die Frage wie Unternehmen mit den veränderten Anforderungen weiterhin wertschöpfend agieren können. Dabei beschäftigt sich „New Work“ nicht nur mit einer Vielzahl wesentlicher Ansätze und Gedanken, sondern auch mit konkreten Beispielen und Hilfestellungen.

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